Die Wege des Erzengels & das Ende des Menschen

Phänomen Theodorakis

Mikis Theodorakis, der Komponist, der Weltbürger, der kompromisslose Demokrat war Zeit seines Lebens ein Vollblutmusiker, der unaufhörlich komponierte, dirigierte, produzierte – Songs und Sinfonien, Ballette und Opern, Filmmusiken und Kammermusik. Sein musikalisches Schaffen und sein gesellschaftliches Engagement führten häufig zu extremen Gegenpositionen, er selbst war stets ein gedanklicher Extremist. Für die Linken ein Rechter, für die Rechten ein Linker. Für akademische Musikkritiker ein Popmusiker, für die Popmusiker ein klassischer Komponist. Er richtete sich auf keinem dieser Plätze ein. Er war und blieb ein Anarchiker. Ein weltoffener Geist, mit einem minutiösen Gedächtnis, rhetorisch versiert, gebildet, sensibel, voller Humor, umgeben von einer pulsierenden Aura, äußerst diszipliniert, ein begnadeter Geschichtenerzähler, sehr ernsthaft, spontan, lesehungrig.
Eine Umfrage außerhalb Griechenlands ergab, dass Theodorakis der berühmteste Grieche im Ausland ist. Er hat weltweit über 60 Millionen Platten und CDs verkauft. In Griechenland selbst kennt ihn jedes Kind. Für die Griechen ist er „Mikis“. Sie haben ihn geliebt und gehasst, ihn gehört und ihn verboten. Er musste mehrmals ins Gefängnis, und er wurde weltweit gefeiert. Für viele ist er der Inbegriff Griechenlands.
Die Gründe, die Ursachen für dieses einmalige Phänomen sind für Nicht-Griechen wahrscheinlich kaum nachvollziehbar. Begonnen hatte es damit, dass Theodorakis die hohe Dichtung seines Landes (Elytis, Ritsos, Seferis, Gatsos etc.) in den Blutkreislauf der breiten Masse einspeiste. „Es war so, als hätte Benjamin Britten Verse von Auden vertont, und die Platte, besungen vom Erzbischof von Canterbury, hätte die Beatles aus den Hitlisten verdrängt“, wie der Brite Ron Hall es einst beschrieb. Oder, um es für Deutschland zu übersetzen: Man stelle sich vor, Hans Werner Henze würde Gedichte von Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Erich Fried und Christian Magnus Enzensberger vertonen und die damit veröffentlichten Platten, besungen von Hermann van Veen, würden sich fünf Jahre lang durchschnittlich 12 Millionen mal verkaufen. Genau das geschah mit Theodorakis’ Liedkompositionen in Griechenland zwischen 1961 und 1966. Allein die Single von „Am Strand“ (mit dem gleichnamigen Text von Georgios Seferis) verkaufte sich 1964 über 400.000 mal, bei einer Bevölkerungzahl von 7 Millionen Griechen. Theodorakis veröffentlichte damals jedes Jahr zwischen drei und fünf Langspielplatten und weitere fünf bis acht Singles. Seferis erhielt 1963 den Literaturnobelpreis – auch für den Zyklus, den Theodorakis bereits 1961 vertont hatte. Und für das Werk „Axion Esti“, auf dessen Grundlage Theodorakis 1960 sein gleichnamiges Oratorium komponierte, wurde Odysseas Elytis 1979 der Literatur-Nobelpreis verliehen. Es gibt selbst heute kaum einen Griechen, der diese Lieder nicht kennen und singen würde, der also nicht durch Theodorakis‘ Musik die hohe Dichtung inhaliert hätte.

Der zweite Grund für die Existenz des Phänomens „Theodorakis“, eng verzahnt mit dem eben beschriebenen, bestand im kulturpolitischen Impetus, den seine Musik umgab. Theodorakis verband Anfang der sechziger Jahre seine Kunst sehr bewusst mit einem emanzipatorischen Anspruch: mit dem Gedanken an die Freiheit des Individuums. Im monarchistischen und polizeistaatlich geführten Griechenland zu Beginn der sechziger Jahre entwickelte diese Kombination von Dichtung, Musik und individuellem Freiheitsanspruch eine unglaubliche Dynamik. Und es verwundert nicht, dass viele seiner Lieder damals nicht nur vom Staatlichen Rundfunk– wegen „Aufhetzung gegen die herrschende Ordnung“ (gemeint waren Liebeslieder!) – verboten, sondern auch von der kommunistischen Linken stark kritisiert und zum Teil unter Verdikt gestellt wurden (wie die Revue „Lied des toten Bruders“).

Und dabei hatte sich Theodorakis bis 1960 ausschließlich mit der sogenannten ernsten Musik beschäftigt. Seine Ballette, Klaviersonaten und sinfonischen Werke wurden in London, Paris, Rom und Stuttgart aufgeführt. Er hatte bei Olivier Messiaen studiert und viele Preise für sein sinfonisches Schaffen erhalten. Seine Rückkehr nach Griechenland (1960) und seine Besinnung auf das Lied geschahen aus der Erkenntnis heraus, dass er zu seinen Landsleuten gehörte – zu ihnen, mit denen zusammen er Anfang der vierziger Jahre gegen die Deutschen und Italiener gekämpft, den Bürgerkrieg durchlitten und die schweren Jahre nach 1950 durchgemacht hatte. Und diese „unterirdische“ – biografisch-seelische – Verbundenheit mit seinen Landsleuten ist die Basis gewesen, die ihm ermöglichte, seine Lieder zu erschaffen und sie den Menschen zu geben. Theodorakis musste das akademische London und das mondäne Paris verlassen, und er musste sich mit dem „Bouzouki“ die Hände dreckig machen. Er tat es für sich und seine Landsleute, die ihn dafür umjubelt und gleichzeitig verdammt haben. Er hat uns Griechen einfach zu viel gegeben, und wir tun uns schwer damit, ihm das jemals zu verzeihen.

© Asteris Kutulas, 2005


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30.7.2004, Vrachati. Ein Tag nach seiner Geburtstagsfeier sitze ich mit Mikis in seinem Haus. Wir reden über Stalin und die Schlacht am Kursker Bogen, über Beethoven, Andreas Papandreou und die Kommunistische Partei, über Jannis Ritsos und den Lenin-Friedenspreis und immer wieder über Musik.
Mikis ist ein unverbesserlicher Optimist und ein gottverdammter Realist. Ich hasse ihn für beides. Ich will wissen, warum er keine Zukunft für die menschliche Zivilisation mehr sieht. Seine Antwort trifft mich unvorbereitet: „Der Mensch ist ein Fehler der Natur, weil er einen riesengroßen Widerspruch in sich trägt: Er kann nicht allein leben, er kann aber auch nicht mit anderen zusammenleben. Das lehren uns sowohl die menschliche Geschichte als auch unsere eigenen Erfahrungen der letzten siebzig Jahre. Der zweite Weltkrieg brachte so unsäglich viel Leid: über 50 Millionen Tote, Millionen in Konzentrationslagern bestialisch ermordete Juden, Millionen Verwundete und Entrechtete ... Wir waren uns damals sicher, nie wieder einen Krieg und nie wieder solch eine Inhumanität zu erleben ... Und? Seit 1945 folgt ein furchtbarer Krieg auf den anderen." - „Und was denkst du", frage ich, „über die Zukunft? Über unserer aller und unserer Kinder Zukunft?" – „Ich habe", antwortet er, „inzwischen nicht mehr die Zuversicht, dass der Mensch sich ändern wird. Er hat die Welt um sich herum nicht geachtet. Es ist immerhin der „zivilisierte" Mensch, der die Wälder niederbrennt, die Tiere in einer unvorstellbaren Massenhaltung schindet, die Umwelt zerstört und schließlich auch andere Menschen tötet oder sie sadistisch quält. Ich habe oft die Rechtfertigung gelesen, dass er das alles in der Urzeit aus seinem Selbsterhaltungstrieb heraus getan hat - aber warum tut er es heute? Ich habe dafür nur eine einzige Erklärung: aus Gründen der persönlichen Befriedigung, also aus sehr egoistischen Gründen ... Der Mensch zerstört das Gleichgewicht, die Harmonie der Natur, aber er wird damit zwangsläufig sich selbst eliminieren, und die Natur wird endlich aufatmen können. Wenn der Mensch von der Erdoberfläche verschwindet - was eine sehr tröstliche Vorstellung ist -, wird die Natur glücklich sein, die Tiere werden glücklich sein. Die Flüsse werden wieder frei fließen. Die Wälder des Amazonas werden wieder sprießen. Denn die Natur ist eins mit sich ... Allein der Mensch ist ein Missklang der Natur, und darum hat er seinen Untergang verdient."

© Asteris Kutulas, 2004


 

Asteris Kutulas
THESEN ZU EINEM ENGAGIERTEN KOMPONISTEN
Rede zu Theodorakis


Die Institution, die die Ausstellung zum Leben von Theodorakis und diese Eröffnungsrede in Auftrag gegeben hat – also das Festival „Musik und Politik“ – und das, wofür sie historisch steht, gibt mir die Möglichkeit, auf einige Punkte zu sprechen zu kommen, die ich, wenn es um Mikis Theodorakis geht, in einem anderen, nämlich dem musikalischen Zusammenhang nicht so ausführlich thematisieren würde. Ich möchte die Tatsache, dass das Begriffspaar Musik und Politik eine enorm große Rolle in Theodorakis’ Leben spielt, zum Anlass für meine Überlegungen nehmen.
Folgende Punkte haben Theodorakis zu einer sehr umstrittenen und vor allem streitbaren Persönlichkeit gemacht:

1.) Theodorakis’ wechselvolle Beziehung zur Kommunistischen Partei Griechenlands
2.) seine stark kritisierte Zusammenarbeit mit den griechischen Konservativen Ende der 80er Jahre
3.) die von ihm 1972 während der Junta aufgestellte These, dass demokratische Verhältnisse in Griechenland nur mit Hilfe des rechtskonservativen Politikers Konstantinos Karamanlis wiedererlangt werden könnten
4.) seine Initiative zur Gründung der griechisch-türkischen Freundschaftsgesellschaft im Jahr 1985
5.) der gegen ihn gerichtete Antisemitismus-Vorwurf im Jahr 2003

In allen diesen Fällen war die Kritik an Theodorakis so massiv und generös, dass das die Frage aufwirft, warum sie sich gegen einen Menschen richtete, der zu keinem dieser jeweiligen Zeitpunkte irgendein politisches Amt bekleidete, ja nicht mal einer politischen Bewegung oder Partei angehörte. Die Antwort auf diese Frage ist in der politischen Geschichte Griechenlands der letzten 50 Jahre meiner Meinung nach vermutlich einzigartig.

Die außerordentlich vehemente Gegenreaktion auf bestimmte Äußerungen von Theodorakis, mit denen er sich als äußerst wacher und hellsichtiger Geist in der politischen Landschaft seines Landes auswies, ist zurückzuführen auf seine bedeutende Position, die er als Komponist erlangt hatte – oder um es anders auszudrücken: Solche impulsiven Gegenreaktionen haben ihre tiefere Ursache in der festen Verwurzelung seines musikalischen und kulturellen Schaffens im Leben des breiten griechischen Publikums, unabhängig davon, ob dieses Publikum der Rechten oder der Linken angehörte. In einer so ausgeprägt polarisierten politischen Landschaft wie der griechischen wurde auf Theodorakis – der zu keinem Zeitpunkt parteipolitisch agiert hat – immer wieder wie auf einen vermeintlichen Nestbeschmutzer reagiert.

Das Jahr 1960

Wie kam es dazu? Mikis Theodorakis gehörte Ende der 50er Jahre zu den bedeutendsten jüngeren Komponisten und den erfolgreichsten Newcomern der so genannten Szene ernster Musik in Westeuropa. 1958 feierte er mit zwei Balletten im Sarah-Bernhard-Theater in Paris einen riesigen Erfolg, was dazu führte, dass ein Musikkritiker von „Le Monde“ sich dazu hinreißen ließ, in Theodorakis „den vielleicht neuen Strawinsky“ zu sehen. Diese Ballette, getanzt von Ludmilla Tscherina, bescherten ihm einen Auftrag des Royal Ballett von Covent Garden in London. „Antigone“ in der Choreographie von John Cranco, das über 150mal aufgeführt wurde, bedeutete für Theodorakis den internationalen Durchbruch als Komponist klassischer Musik. Benjamin Britten lobte seinen jüngeren griechischen Kollegen in mehreren Zeitungsinterviews. Und Darius Milhaud schlug ihn für den amerikanischen Copley-Preis 1959 vor, der dem besten europäischen Komponisten verliehen wurde und den Theodorakis dann tatsächlich erhielt. Schon ein Jahr zuvor erhielt er für seine „1. Suite“ die Goldmedaille beim Komponistenwettbewerb in Moskau. Jury-Vorsitzender war Dmitri Schostakowitsch, dessen Stellvertreter Hanns Eisler. Vier Jahre später erhielt Theodorakis von einer Jury, bestehend aus Pablo Casals, Zoltan Codaly und Darius Milhaud, den Sibelius-Preis für sein sinfonisches Gesamtwerk. In den drei Jahren zwischen 1958-1960 gelang ihm außerdem der internationale Durchbruch als sehr erfolgreicher Filmkomponist; er schrieb u.a. für Michael Powell, Jules Dassin und Anatole Litvak. In diesen Filmen spielten u. a. Anthony Perkins, Melina Merkouri und Ralf Valone die Hauptrollen. An der grandiosen internationalen Karriere des Komponisten Mikis Theodorakis bestand zu diesem Zeitpunkt keinerlei Zweifel.

Umso überraschender und vor allem auch dramatischer erscheint dann Theodorakis’ Rückkehr nach Athen, Mitte 1960, und der Schlussstrich, den er damit unter seine Beschäftigung mit der so genannten E-Musik zog. Er verabschiedete sich aus der Pariser und der Londoner Welt des Ruhmes und Erfolgs und beschäftigt sich von da an fast 20 Jahre ausschließlich mit der so genannten "zeitgenšssischen Volksmusik". Die Gründe für diesen abrupten Wechsel sind in Theodorakis’ Biografie der 40er Jahre zu finden: in der Zeit, da er sich auf der Seite der linken EAM-Bewegung zuerst im Widerstand gegen die italienischen und deutschen Besatzer engagiert hatte und später gegen die Briten und die monarchistische Regierung während des griechischen Bürgerkriegs. Doch das ist ein anderes Thema, worauf ich heute aus Zeitgründen nicht eingehen kann.

Was genau passierte in diesem Sommer 1960? Mikis Theodorakis hatte zwei Jahre zuvor einige Texte seines Dichterfreundes Jannis Ritsos vertont und sie seinem Komponistenkollegen Manos Chatzidakis nach Athen geschickt. Dieser war damals der unumstrittene Herrscher auf dem Gebiet des griechischen Liedes. Zusammen mit seiner Interpretin Nana Mouskouri feierte Chatzidakis Riesenerfolge und bekam kurz darauf für die Filmmusik zu „Sonntags nie“ mit Melina Merkouri in der Hauptrolle einen Oscar. Manos Chatzidakis wollte seinen Freund Theodorakis dabei unterstützen, nach dessen Rückkehr in die Heimat Fuß zu fassen in der griechischen Musikszene und bot ihm an, die acht auf den Ritsostexten basierenden Epitaphioslieder zu arrangieren und mit Nana Mouskouri aufzunehmen. Das war ein wunderbares und offenherziges Angebot. Und so kam es dazu, dass Manos Chatzidakis im September 1960 die Lieder arrangierte und sie mit seinen Musikern und Nana Mouskouri als Sängerin für die Plattenaufnahme einzuspielen begann. Chatzidakis selbst saß am Klavier. Theodorakis war von diesem Freundschaftsbeweis überwältigt und bei allen Proben- und Aufnahmen im Studio anwesend. Nachdem drei, vier Lieder fertig waren, wurde ihm allerdings bewusst, dass die Musik, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits produziert worden war, vom Charakter her nicht seiner Ästhetik entsprach. Theodorakis hatte keinen Schlussstrich unter seiner sinfonischen Karriere gezogen, um danach beim – wenn auch qualitativ guten – Schlager zu landen. Er wollte etwas ganz anderes, etwas ganz neues.
Zwölf Jahre vorher, auf der KZ-Insel Makronissos, wo er als Gefangener unsagbar hatte leiden müssen, hatte er einen Soldaten singen hören. Das war eine ungekünstelte, raue Stimme gewesen, die, so schien es Theodorakis, nichts mit „der hehren Kunst“ oder mit irgendwelchen künstlerischen Ambitionen zu tun hatte, sondern deren Färbung ein gewisses Maß der Sehnsucht, Authentizität und des Überlebensgeistes der einfachen Leute auszudrücken vermochte. Theodorakis wollte über die Sprache der Musik eine Verbindung zwischen sich und der Seele seiner griechischen Landsleute herstellen und bewies dabei ein unglaubliches Gespür, für genau deren Sehnsucht den entsprechenden musikalischen Ausdruck zu schaffen. Theodorakis suchte und fand Grigoris Bithikotsis wieder, den ehemaligen Soldaten aus Makronissos, der inzwischen in Tavernen sang. Und Theodorakis holte den damals bedeutendsten Bouzoukispieler dazu, den Virtuosen Manolis Chiotis. Der Komponist, der Sänger und der Instrumentalist gingen zusammen mit noch anderen Musikern in das Studio von Columbia, und während Chatzidakis noch bei Fidelity-Records mit Nana Mouskouri die letzten Titel aufnahm, spielte Theodorakis mit Bithikotsis und Chiotis die acht Lieder noch einmal ein, und zwar genau in der Art und Weise, wie er sich das vorgestellt hatte. Das war die Geburtsstunde eines neuen Musikstils und einer neuen griechischen Kulturform. Es war so etwas wie „Beatles auf Griechisch“. Beide Schallplatten kamen im Oktober 1960 auf den Markt. Dieselben Lieder, dieselben Texte von Jannis Ritsos – einmal arrangiert von Manos Chatzidakis und gesungen von Nana Mouskouri, und einmal arrangiert von Mikis Theodorakis und gesungen von Grigoris Bithikotsis. Was dann passierte, ist wahrscheinlich in der Musikgeschichte einmalig: Die Musikkritik war einstimmig für die Chatzidakis- und gegen die Theodorakis-Version. Jannis Ritsos, der Autor – bekanntlich einer der bedeutendsten Dichter Griechenlands – identifizierte sich mit der Chatzidakis- und war gegen die Theodorakis-Version. Die rechte Regierung verbot das Spielen der Lieder im griechischen Rundfunk, weil sie „kommunistischen Inhalts“ seien. Und die Linke, aus deren Reihen sowohl Jannis Ritsos als auch Mikis Theodorakis kamen, stellte sich vehement gegen die Theodorakische Version. Der Kritiker A.Eleftheriou sprach in einem Artikel von einem „kleinen Bürgerkrieg“. Aber innerhalb nur weniger Wochen gab es dann plötzlich keinen Griechen mehr, der diese Lieder, gesungen von Bithikotsis, nicht kannte und selbst sang. Es war wie ein Wunder. Die Schallplatte mit der Theodorakis-Version brach alle Rekorde. Die in einem strengen Metrum verfassten Verse des bekannten Dichters, die – in Anlehnung an Marias Beweinung Christi – die Klage einer ihren toten Sohn betrauernden Mutter wiedergaben, waren in aller Munde. Noch dazu hatte dieser Liederzyklus den Charakter eines im Schubertschen Sinne aufgebauten Lieder-Zyklus’.
Während der darauf folgenden Monate vertonte Theodorakis etliche Gedichte der namhaftesten griechischen Lyriker – darunter auch zweier späterer Literaturnobelpreisträger – und „brachte damit die Dichtung auf den Tisch der einfachen Leute“, wie Jannis Ritsos dann schrieb. Innerhalb von sechs Jahren komponierte Theodorakis etwa 500 Lieder, die allesamt Teil der kulturellen Identität der Griechen geworden sind und die diese regelrecht aufsogen. Der Brite Ron Hall schrieb: „Es war so, als hätte Benjamin Britten Verse von Auden vertont, und die Platte, besungen vom Erzbischof von Canterbury, hätte die Beatles aus den Hitlisten verdrängt“. Oder, um es für Deutschland zu übersetzen: Man stelle sich vor, Hans Werner Henze würde Gedichte von Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Erich Fried und Christian Magnus Enzensberger vertonen und die damit veröffentlichten Platten, besungen von Hermann van Veen, würden sich fünf Jahre lang durchschnittlich 12 Millionen mal verkaufen. Genau das geschah mit Theodorakis’ Liedkompositionen in Griechenland zwischen 1961 und 1966. Allein die Single von „Am Strand“ (mit dem gleichnamigen Text von Georgios Seferis) verkaufte sich 1964 über 400.000 mal, bei einer Bevölkerungzahl von 7 Millionen Griechen. Die Gedichte des Epiphania-Zyklus von Theodorakis hatte Seferis 1936 geschrieben, und sie gehörten zur besten Lyrik, die im modernen Griechenland jemals entstanden ist.
Die Aura, die diese neue kulturelle Form umgab, speiste sich also aus Poesie, Musik und dem unbedingten Anspruch auf Selbstbestimmung und Individualität. Diese musikalische Veräußerlichung der innigsten Gefühle einer ganzen Generation ließ die Persönlichkeit Theodorakis und sein Liedschaffen untrennbarer Teil der Seele jedes bis dahin verstummten Griechen werden.
Das ist der Background, vor dem die Kritik an Theodorakis sich seit den 70er Jahren bis heute immer wieder entzündet, eine Kritik, deren Vehemenz für einen außen stehenden Betrachter teilweise nicht oder nur schwer nachvollziehbar ist.

Theodorakis’ Verhältnis zur Kommunistischen Partei Griechenlands

Die KP Griechenlands war zwischen 1947 und 1974, also 30 Jahre lang in Griechenland verboten. Aus diesem Grunde „residierte“ das Politbüro der Partei in Rumänien, in Bukarest. Nach dem Putsch der Militärdiktatur am 21. April 1967 in Athen und nach dem Prager Frühling spaltete sich die KP Griechenlands in zwei Flügel: einen weiterhin moskautreuen Kern einerseits und eine eurokommunistische Spalter-Bewegung andererseits. Theodorakis, der von dieser Spaltung erfuhr, während er im Oropos-Gefängnis in Griechenland inhaftiert war, akzeptierte diese Tatsache nicht. Ihm erschien es absurd, dass man in einer Zeit, wo es darum ging, die Diktatur zu bekämpfen, darüber stritt, ob es im Falle einer siegreichen Revolution eine Diktatur des Proletariats geben soll oder nicht. Diese Zwistigkeiten und das daraus resultierende Zerwürfnis waren für ihn absolut nicht hinnehmbar, und er plädierte mit allem Nachdruck für die Beendigung dieser Trennung. Nachdem Theodorakis 1970, nach drei Jahren Haft, Verbannung und schwerer Krankheit, nach Paris ins Exil ausgeflogen worden war, wurde der Druck auf ihn, sich zur Kommunistischen Partei Griechenlands in irgend einer Weise zu bekennen, immer größer. Als diverse Gerüchte in Umlauf gebracht wurden, die besagten, dass Theodorakis der Junta versprochen hätte, sich im Ausland politisch nicht zu betätigen und dass er nur unter dieser Bedingung freigelassen worden war, trat er sofort der eurokommunistischen, antisowjetischen „KP Inlands“ bei. In den nächsten zwei Jahren versuchte er, aus deren Reihen heraus den antidiktatorischen Kampf zu unterstützen. 1972 war ihm klar, dass auch die Strukturen dieser unorthodoxen Inlands-KP für ihn zu dogmatisch waren, und es auch bei ihr auf die Bildung eines Machtapparats hinauslief. Theodorakis trat im Sommer 1972 aus der Partei aus und ist seitdem nie wieder Mitglied irgendeiner Partei geworden.
Obwohl er fortan also weder Mitglied des einen oder des anderen Flügels der KP Griechenlands war, sah er die Einheit der Linken als absolut notwendig an und als Voraussetzung dafür, dass er sich mit deren Idealen von einer demokratischen Gesellschaft identifizieren konnte. Die volksfrontpolitische Erfahrung, die er während der 40er Jahre innerhalb der antifaschistischen EAM-Bewegung gemacht hatte, wirkte und wirkt weiter. Bis heute. Unvermindert. Diese Vision von einer geeinten, sich für das Volk engagierenden und undogmatischen Linken, wie er sie in den 40er Jahren erlebt hatte – sie hat sich ihm bis heute erhalten.
Gleich nach dem Fall der Junta 1974 setzte er sich für die Wiederherstellung der Einheit der Linken ein und wurde zum Mitbegründer der Bewegung der Vereinigten Linken KEA; er brachte sowohl die beiden Flügel der Kommunistischen Partei als auch die neugegründete linke EDA-Bewegung an einen Tisch. Seine Vision von der Renaissance einer vor verinnerlichtem Bildungsgut strotzenden, wachen, die geistige Auseinandersetzung nicht scheuenden linken Partei Griechenlands fiel dem machtpolitischen Kalkül diverser Führer dieser Wunsch- und Traum-Partei zum Opfer. Nachdem die neue EDA-Bewegung praktisch aus der politischen Landschaft verschwunden war und die Inlands-KP zur Marginalie verkommen, erklärte Theodorakis sich 1978 bereit, sich als Unabhängiger für die Bürgermeisterwahl in Athen in der Wahlliste der KP aufstellen zu lassen. Es begann eine erneute Zusammenarbeit mit der KPG zu einer Zeit, da sie das linke Spektrum dominierte, was für Theodorakis einer demokratischen Legitimierung durch die linke Wählerschaft gleichkam. Aus dieser Zusammenarbeit zwischen dem parteilosen Theodorakis und der KP Griechenlands resultierte dessen Wahl ins griechische Parlament im Jahr 1981. Aber bereits drei Jahre später beendete Theodorakis diese Kooperation, weil er, wie er es formulierte, einsehen musste, dass die griechische KP ihren Dogmatismus und ihren Kleingeist nicht zu überwinden vermochte und nicht reformierbar war.
Fünf Jahre später, nämlich 1989, kam es zu einem der überraschendsten Coups in der griechischen Nachkriegsgeschichte. Die zwei einst verfeindeten und sich im Bürgerkrieg gegenüberstehenden Lager – die Kommunisten einerseits und die Konservativen andererseits – bildeten eine Koalitionsregierung. Es war zugleich die erste Links-Rechts-Regierung der europäischen Nachkriegsgeschichte. Einer der wichtigsten Architekten dieser Koalition war Mikis Theodorakis. Er sah in ihr ein Zeichen dafür, dass eines seiner dringlichsten Anliegen sich erfüllte, für das er bereits dreißig Jahre vorher eingetreten war. In seinem Volksoper genannten Werk „Das Lied vom toten Bruder“ von 1961, dessen Libretto er selbst geschrieben hatte, offenbarte er die Tragik der, wie er sie nannte, unnatürlichen Entzweiung des griechischen Volkes während des Bürgerkriegs in den 40er Jahren. Zwei Brüder, Pavlos und Nikolios, aus den beiden politisch verfeindeten Lagern, bekämpfen sich bis aufs Blut unter den Blicken ihrer sie liebenden Mutter. Theodorakis griff auf die antike archetypische Konstellation von Eteokles und Polineikes zurück, die sich gegenseitig schlachten unter den Blicken ihrer Mutter Iokaste. Bereits 1961 schrieb Theodorakis in seinem Vorwort zu dem Text, dass beide Brüder, sowohl Pavlos als auch Nikolios, für ihn vor allem eins gewesen sind: Griechen; beide seien sie Patrioten – und nicht „Monarchofaschisten“, wie die Rechten von den Linken genannt wurden, oder „EAM-Bulgaren“, wie die Linken von den Rechten genannt wurden. Der Hass und die Entzweiung sollten beigelegt werden, damit Griechenland zu einem demokratischen und fortschrittlichen Land werden könnte. Die rechte Regierung von 1961 verbot das Spielen der Lieder dieser Volksoper im griechischen Rundfunk, und die linke EDA-Bewegung distanzierte sich vehement von diesem Stück.
Aber Theodorakis hielt am Traum der nationalen Versöhnung vehement fest. Bereits zwei Tage nach dem Militärputsch von 1967 gründete er die Panhellenische Befreiungsbewegung PAM und forderte alle Demokraten auf – von den Kommunisten bis zu den Monarchisten – in dieser Organisation gegen die Junta einzutreten. Sein Versuch wurde sowohl von den Kommunisten als auch von der sozialistischen PAK-Bewegung des Andreas Papandreou torpediert.
Dann, 20 Jahre später, im von unglaublichen Skandalen und Korruption zerrütteten Griechenland des Jahres 1989, nach acht Jahren Regierungszeit des Sozialisten Andreas Papandreou, war der Augenblick gekommen, da Theodorakis Konstantinos Mitsotakis, den Vorsitzenden der rechten Nea Demokratia, und Charilaos Florakis, den Generalsekretär der KP Griechenlands, an einen Tisch brachte und durch die Bildung dieser historischen Koalitionsregierung den Bürgerkrieg moralisch und emotional beendete. Die Botschaft war eindeutig: Wir alle sind Griechen, die ein demokratisches System wollen. Wir alle – Rechte wie Linke. Theodorakis setzte als Minister ohne Geschäftsbereich seine Zusammenarbeit mit der Neuen Demokratie auch nach Beendigung dieser neuen Koalisationsregierung für drei weitere Jahre fort. In dieser Funktion engagierte er sich vehement für eine klare Antidrogenpolitik der griechischen Regierung und rückte das von der griechischen Gesellschaft bislang verdrängte Problem der Drogenabhängigen ins öffentliche Bewusstsein. Weiterhin thematisierte er das dringende Problem der jährlichen verheerenden Waldbrände, deren Ursache zumeist Baugrundstücksspekulation war. Er entwarf außerdem ein Programm zur kulturellen Erneuerung Griechenlands, stellte aber bald fest, dass die konservative Regierung nicht in der Lage oder willens war, seine Ideen umzusetzen, seine Projekte zu realisieren, und deshalb legte er 1992 sein Mandat als Unabhängiger Minister ohne Amtsbereich nieder und trat aus dem Parlament aus.

Karamanlis oder die Panzer“.

Kehren wir noch einmal kurz zurück zur Juntazeit: Einer der noch immer bestehenden Kritikpunkte, die Theodorakis sich bis heute gefallen lassen muss, betrifft seinen Ausspruch von 1974: „Entweder Karamanlis oder die Panzer“.
Das war eine für einen Linken ganz und gar außerordentliche Aussage, da Konstantinos Karamanlis als der verhasste Ministerpräsident der ultrarechten ERE-Partei galt, der in den 50ern bis Anfang der 60er Jahre ein hartes Regime in Griechenland geführt hatte, basierend auf undemokratischen Gesetzen und sich stützend auf den Rückhalt durch paramilitärische faschistische Organisationen. Erinnert sei hier an die Ermordung des Parlamentsabgeordneten Grigoris Lambrakis, von der u.a. der bekannte Film „Z“ von Costa Gavras handelt. Karamanlis stand im Bewusstsein vieler Griechen für genau diese dramatische gesellschaftliche Situation als einer ihrer Mit-Verursacher. Als die Junta stürzte, wurde eben dieser Karamanlis aus Paris geholt, um das Macht-Vakuum zu füllen und einen erneuten Militärputsch politisch zu verhindern. In diesem Augenblick ging es Theodorakis’ Meinung nach darum, die Demokratie überhaupt erst einmal wieder durchzusetzen und zu stabilisieren. Welch prophetische Gabe er hier bewies, das erkennt man, wenn man seine Texte zur politischen Situation liest, die er bereits zwei Jahre vor Ende der Diktatur geschrieben hatte, nämlich 1972. Bereits zu diesem Zeitpunkt schätzte er die Situation sehr klarsichtig ein: Die Linke sei gespalten und durch diese Spaltung so geschwächt, dass sie nicht die Kraft hatte, die Junta zu stürzen. Um in Griechenland wieder demokratische Verhältnisse zu schaffen, bedurfte es dreier „Instanzen“, die man hinter sich haben musste: das Volk, das Militär, die Amerikaner. Die einzige politische Persönlichkeit, die diese drei unter einen Hut bringen konnte, war Konstantinos Karamanlis. Diese ganz klare Erkenntnis bzw. Schlussfolgerung veranlasste Theodorakis bereits 1972, Karamanlis einen Brief zu schicken und ihn aufzufordern, alles in seiner Kraft Stehende zu unternehmen, um der Demokratie in Griechenland eine Chance zu geben, und er, Theodorakis würde ihn darin unterstützen. Es ist erstaunlich, dass die „Lösung Karamanlis“ tatsächlich genauso zwei Jahre später eingetreten ist, wie Theodorakis sie als die einzig mögliche voraus gesehen bzw. vorgeschlagen hatte. Und noch erstaunlicher ist, dass Karamanlis, der ehemals so verhasste, in Griechenland nicht nur die Voraussetzungen schuf für die Wiedererlangung der Demokratie, sondern dass er auch die bislang 30 Jahre verbotene Kommunistische Partei wieder zuließ sowie durch eine Volksabstimmung die Abschaffung der Monarchie in Griechenland ermöglichte und Griechenland in die Europäische Union führte. Theodorakis’ Einschätzung bewahrheitete sich voll und ganz. Trotzdem wird es ihm bis heute angekreidet, dass er damals solche eine undogmatische Sicht auf die konkrete politische Situation hatte und dass ihn seine umfassende Einschätzung zum Vorschlag für die damals einzige machbare Lösung brachte: „Karamanlis oder die Panzer“. Bis heute haftet Theodorakis das an wie ein Makel.

Türkei und Griechenland

Eine seiner zum Zeitpunkt ihres Beginns umstrittensten Initiativen war die Gründung der griechisch-türkischen Freundschaftsgesellschaft im Jahr 1985. Eine parteiübergreifende nationale Initiative, ausgehend von türkischen und griechischen Intellektuellen, die sich nicht nur entgegen der politischen Nomenklatura der beiden Länder und entgegen der Auffassung aller politischen Parteispitzen, sondern auch gegen den Widerstand eines Großteils der öffentlichen Meinung bildete.
Die beiden Erzfeinde und die sich seit Jahrhunderten bekämpfenden Kulturen auszusöhnen – dafür gab es nach Theodorakis’ Ansicht einen elementaren Grund: Genauso wie er im griechischen Bürgerkrieg eine unnatürliche Entzweiung gesehen hatte, die von außen inszeniert und gesteuert worden war, so sah Theodorakis auch in der immer wieder aufflackernden Feindschaft zwischen den beiden Völkern eine von außen gesteuerte Entzweiung. In einer Zeitungsveröffentlichung aus den Tagen, da er von fast der gesamten Presse als „Verräter“ bezeichnet wurde, stellte Theodorakis nüchtern fest, dass Griechenland und die Türkei, gemessen am Bruttosozialprodukt, die vergleichsweise höchsten Rüstungsausgaben weltweit hätten, höher noch als die der USA, Russlands oder Chinas. Nutznießer dieser horrenden Rüstungsausgaben, die nationalen Wohlstand fast unmöglich machten, seien Griechenlands NATO-Verbündete England, Frankreich, Deutschland, die USA. Gäbe es die von außen geschürte Feindschaft zwischen Griechenland und der Türkei nicht, müsste weder das eine noch das andere Land so viele Waffen kaufen.
1985 also beschrieb er des Weiteren die vielen kulturhistorischen Gemeinsamkeiten Griechenlands und der Türkei und ging so weit, eine Konföderation nach skandinavischem Muster zu verlangen. Das war unerhört. Obwohl die griechische Regierung unter Andreas Papandreou bereits ein Jahr nach der Gründung der Freundschaftsgesellschaft – deren Anhängerschaft in der Bevölkerung inzwischen mehr und mehr wuchs – eine 180-Grad-Wendung machte und die Zusammenarbeit mit der Türkei zur Regierungspolitik erklärte, was sich seitdem nicht mehr verändert hat, sondern immer weiter vertieft wurde, wirft man Theodorakis bis heute immer mal wieder diesen angeblichen Verrat an seiner Heimat vor. Auch das ist als Makel an ihm haften geblieben.
Der Stimmungs- oder Gesinnungswandel von Andreas Papandreou führte dazu, dass er Theodorakis bat, dieser möge seine diversen Beziehungen zur türkischen Regierung, aber auch die zu Partei- und Regierungschefs in Europa nutzen, um für die neue Politik der bilateralen Annäherung zu werben und um Unterstützung zu bitten. Als Theodorakis sah, dass sein Ansinnen Früchte trug, stellte er sich sofort in den Dienst dieser Bewegung, traf sich sowohl mit dem damaligen türkischen Ministerpräsident Özal als auch – im Namen von Andreas Papandreou – mit verschiedenen Partei- und Staatsoberhäuptern wie z.B. mit Olof Palme, Erich Honecker, Willi Brandt, Francoise Mitterrand und anderen. Obwohl sich Theodorakis’ gemeinsames Engagement mit der PASOK und Andreas Papandreou auf die Propagierung der griechisch-türkischen Zusammenarbeit beschränkte, bezeichneten viele Journalisten Theodorakis’ Handeln in den 80er Jahren als Rechtsruck, den er angeblich vollzogen habe, beginnend bei den Kommunisten, dann umschwenkend auf eine Zusammenarbeit mit den Sozialisten, um schließlich bei den Rechten zu landen.

Der Antisemetismus-Vorwurf

Während alle bisher angesprochenen Auseinandersetzungen eher innergriechischen Charakter hatten und Berichte darüber meist inhaltlich verkürzt an die internationale Öffentlichkeit drangen, war der Antisemitismusvorwurf, der Theodorakis im Jahr 2003 traf, von vornherein Thema in der internationalen Presse. Der Unterschied zu allen zuvor von mir beschriebenen Vorgängen bestand im Fall des Antisemitismusvorwurfs darin, dass Theodorakis diesmal dementierte – sofort und kategorisch. Ein Leben lang hatte er zu all seinen Entscheidungen und Initiativen gestanden, und das bis heute, unabhängig davon, welchen hohen Preis er dafür immer wieder zahlen musste. Zum Beispiel zog seine Mitgliedschaft in der Eurokommunistischen KP zwischen 1970 und 1972 ein rigoroses Verbot der Veröffentlichung seiner Musik in allen sozialistischen Ländern nach sich. Bis in die 80er Jahre hinein wurde sie in keinem dieser Länder im Rundfunk oder Fernsehen gespielt, und seine Schallplatten wurden nicht vertrieben. Das änderte sich erst 1980, und zwar nur in zwei Ländern – nämlich in der DDR und bis zu einem gewissen Grade in der Sowjetunion, und auch das nur aufgrund der privaten Initiativen einiger weniger, glühender Theodorakis-Anhänger, die seine Musik liebten und ihn achteten als eine unerschrockene Persönlichkeit, die den Mut zur Zivilcourage hatte. Also war der hier und da als „Vorzeige-Kommunist“ Betitelte gar nicht Mitglied der Kommunistischen Partei und zudem im gesamten Osten verboten. Es hat ihn nicht aus der Bahn geworfen.
Noch prekärer war für Theodorakis die Entscheidung, um der nationalen Katharsis willen mit der rechten Neuen Demokratie zusammenzugehen. Der Hass und die schmählichen Anfeindungen, die er dafür über Jahre von Seiten der Linken ertragen musste, waren unbeschreiblich. Auch das nahm er auf sich, ohne mit der Wimper zu zucken.
Hätte Theodorakis tatsächlich eine antisemitistische Einstellung gehabt, hätte er diese genauso verfochten wie alles, was er zuvor oder später verfochten hat, und jede Verantwortung dafür übernommen, wie immer, wenn er von einer Sache überzeugt war. Aber diesmal dementierte er schon Stunden, nachdem in einer israelischen Zeitung veröffentlicht worden war, Theodorakis hätte geäußert, die Juden seien die Wurzel des Bösen. Theodorakis reagierte auf diese Verfälschung seiner Aussage in der Weise, dass er darauf hinwies, dass es nicht nur unverantwortlich, sondern auch dumm wäre, so etwas zu behaupten.
Er stellte richtig, dass er die Nahost-Politik der USA-Regierung kritisiert und sie – Bush’s Formulierung vom „Reich des Bösen“ paraphrasierend – selbst als „Wurzel des Bösen“ bezeichnet und in dem Zusammenhang Israel vorgeworfen hatte, zur Zeit „dieser Wurzel des Bösen“ sehr nahe gekommen zu sein, nämlich vereinnahmt von der amerikanischen Regierung. Er machte außerdem darauf aufmerksam, dass er seit seiner Jugend ein Freund Israels gewesen sei.
Dieses Dementi reiht sich ein in Theodorakis’ lebenslanges Engagement gegen den Antisemitismus. Bereits als junger Soldat der ELAS-Befreiungsarmee gehörte er zu denen, die jüdische Familien vor dem Zugriff der Nazis in Griechenland versteckten. 1964 vertonte er vier Gedichte von Jakovos Kambanellis, der im KZ Mauthausen ein Martyrium durchgemacht und über dieses in den vier Gedichten geschrieben hatte. Der Mauthausen-Zyklus zählt zu den international wichtigsten Kompositionen, die den Opfern des Holocaust ein musikalisches Denkmal setzen. Er ist gleichsam eine der schönsten Hymnen gegen den Antisemitismus, gesungen in vielen Sprachen wie z.B. auf deutsch, hebräisch, italienisch, schwedisch, englisch usw. 1995 entschieden sich die Überlebenden von Mauthausen und deren Angehörige für dieses Werk, dirigiert von Theodorakis selbst, um den 50. Jahrestag der Befreiung des KZ’ zu feiern. Für die aus diesem Anlass entstandene CD „Mauthausen-Trilogie“ bat Mikis Simon Wiesenthal, nicht nur dessen während des Festakts gehaltene Rede mit auf der CD veröffentlichen zu dürfen, sondern er bat ihn auch um die Erlaubnis, dessen während der Gefangenschaft im KZ Mauthausen entstandene Zeichnungen im Booklet der CD abdrucken zu dürfen. Dieses Album, das im Jahr 2000 veröffentlicht wurde, gehört zu den bewegendsten und schönsten musikalischen Dokumenten, die die Opfer des Holocaust ehren und ihnen gegenüber Respekt bezeugen. Ich vergesse in diesem Zusammenhang auch nicht die ungemein dramatische 7. Szene des 1. Aktes seiner Oper „Die Metamorphosen des Dionysos“, in der Theodorakis auf monumentale Art und Weise den in die Gaskammern von Auschwitz deportierten Juden ein chorsinfonisches Denkmal setzte.
Sein Dementi, das gestützt wird von einem ganzen Lebenswerk und einer unzweideutigen Lebenshaltung, verhallte scheinbar wirkungslos im internationalen Medienwald. Allerdings reagierten viele seiner jüdischen Freunde in Israel betroffen auf diesen Vorgang und auf die Vorwürfe, die gegenüber Theodorakis erhoben wurden, und die größte israelische Zeitung gab Theodorakis ein Jahr später in einem zweiseitigen Interview dann doch noch die Möglichkeit einer eigenen Darstellung seiner Ansichten. Außerdem erinnerten sich viele, dass Theodorakis es gewesen war, der als einziger namhafter europäischer Künstler 1972 nach Israel reiste, um gegen Nassers Politik, die Juden ins Meer zu treiben, auf Seiten Israels Stellung zu beziehen. Theodorakis hatte sich mehrmals mit dem damaligen Vizekanzler und Außenminister Igal Alon getroffen und mehr als zwanzig ausverkaufte Konzerte in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa und in mehreren Kibuzzin gegeben, obwohl er damals als „Helfer der Zionisten“ beschimpft wurde und es gewagt hatte, das „Embargo“, das die „fortschrittlichen Kräfte“ Europas über Israel verhängt hatten, zu missachten.


Die häufigste Kritik, die in der griechischen Öffentlichkeit an Theodorakis geübt wird, ist die, dass er zwar ein großartiger, bedeutender Komponist sei, dass er aber, sobald er sich in die Politik einmischt, nur Unheil anrichtet und sich deshalb besser da raushalten solle. Der Vorwurf, der vor allem von orthodoxen Linken am energischsten vorgetragen wird, ist oft dermaßen massiv, dass man den Eindruck gewinnen könnte, Theodorakis sei ein Vergewaltiger oder Mörder. Das Interessante in diesem Zusammenhang ist, dass Mikis nicht nur ein begnadeter Komponist, sondern auch ein begnadeter Autor ist, und so kann man im historischen Rückblick heute all seine politischen Erklärungen und alle Entscheidungen, die er traf, anhand seiner Schriften und sonstigen Veröffentlichungen nachvollziehen. Tut man das, kommt man zu einer ganz anderen Schlussfolgerung, als es die oberflächlich vorgetragene Ablehnung zunächst vermuten lässt: nämlich zu der, dass Theodorakis seit den 40er Jahren beharrlich und konsequent für bestimmte Werte eintritt: für die Einheit der griechischen Nation unabhängig von Parteigrenzen, für die Einheit der Linken und für eine obrigkeitsunhörige Form der Demokratie. Von diesen Zielen ist Theodorakis nie abgewichen. Er blieb sich und ihnen treu, aber die Welt, die Parteien, die Personen haben sich immer wieder gewandelt, und entsprechend diesen Wandlungen hat er sich immer wieder damit auseinander gesetzt, darauf reagiert und immer wieder neue Entscheidungen getroffen.

Musik versus Macht

Die Anerkennung und die überaus große Sympathie, die Theodorakis in den 70er und 80er Jahren vom griechischen Volk und von einem relativ großen internationalen Publikum entgegengebracht wurden, beruhten allerdings auf seinem musikalischen Schaffen – auf der inneren Dynamik und grandiosen, eigenständigen Melodik seiner Sinfonien, Filmkompositionen, Opern, Ballette und seiner Kammermusik. Vor allem aber auch auf der Ausdruckskraft der beinah 1.000 Lieder, die er komponiert hat und die aufgrund ihrer Authentizität und aufgrund der Qualität der Texte dem Verschleiß durch die Zeit widerstanden. Dieser inhaltliche Aspekt war Theodorakis so immens wichtig, dass er sich einmal als Diener der griechischen Dichtung apostrophierte. In einem Interview, das er noch vor dem Mauerfall im Jahr 1989 gab, fasste er seine Ansicht zur Bedeutung der Dichtung in seiner Musik wie folgt zusammen: „Anfang der 70er Jahre wurden meine Songs immer bekannter und die Übersetzungen der Texte meiner Lieder häufig mit Erstaunen aufgenommen. Ich habe das Glück gehabt, mit bedeutenden Dichtern zusammenzuarbeiten, so dass diese von mir vertonten Texte in ihrer Aussage als zeitlos gelten können. Das führte dazu, dass sich viele Bundesdeutsche wunderten, dass bei den Griechen diese „unpolitischen“ Lieder eine „revolutionäre Stimmung“ erzeugten. Die Erklärung hierfür gilt noch heute: Diktaturen gibt es immer. Dabei sind alle namhaft gewordenen Regimes – das von Hitler, Mussolini, Papadopoulos, Ceausescu, Breshnew – nur die Spitze des Eisbergs. In unserer Gesellschaft herrscht die alltägliche Diktatur; in uns selbst, in unserem Umfeld, in den Familien. Und ich glaube, dass es keinen effektiveren Antikörper gegen die Diktatur gibt als Musik. Musik macht die Menschen schöner, humaner. So offenbaren diese Lieder, zwanzig und mehr Jahre nach ihrer Entstehung, ihre eigentliche Dimension; selbst die, die ich während der Juntazeit schrieb. Sie wenden sich heute an den nachdenklichen, sensiblen, modernen Menschen, der in sich einen Riss spürt. Ja, ich denke, dass jeder Mensch einen Riss in sich spürt. Und das ist gut; denn nur der Zweifel lässt den Menschen sich weiter entwickeln.“

© Asteris Kutulas, 26.2.2010


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LEBENSDATEN VON MIKIS THEODORAKIS


1925 – 29.7. Geburt auf der Insel Chios; da der Vater Beamter ist und oft versetzt wird, muss die Familie immer wieder umziehen: 1928 nach Siros, 1929 nach Athen, 1930 nach Ianena, 1933 nach Argostoli, 1936 wieder nach Ianena, 1937 nach Patras, 1939 nach Pirgos und 1940 nach Tripolis (Peloponnes)

1932 – Geburt von Mikis’ Bruder Jannis

1937 – Mitglied im Chor des Gymnasiums von Patras; belegt die Fächer Theorie und Violine in der Musikschule; erste Lieder und Kammermusikstücke

1939 – gründet in Pirgos ein Mundharmonikaorchester; besucht die Musikschule; erste Vertonungen griechischer Lyrik

1941 – mietet sich tageweise ein Harmonium; besucht die Musikschule in Tripolis (Musiktheorie und Klavier); leitet einen Kirchenchor und komponiert byzantinische Kantaten

1942 – erste Klavierstücke; hört während der Kinovorführung eines deutschen Musikfilms die 9. Sinfonie von Beethoven und beschließt, „Komponist“ zu werden; Aktionen gegen die deutsch-italienische Besatzungsmacht, erste Verhaftung und Folterung

1943 – Übersiedlung nach Athen und Beginn des Kompositionsstudiums am Athener Konservatorium

1944 – Teilnahme am bewaffneten Widerstand gegen die deutsche Besatzung und nach deren Abzug gegen die britischen Truppen

1945 – erste systematische Auseinandersetzung mit der musikalischen Moderne (Strawinsky, Ravel, Bartok, Prokofjew, Debussy, Schönberg, Hindemith, Schostakowitsch); komponiert Theatermusik

1947 – Beteiligung am Bürgerkrieg auf der Seite der linken Befreiungsfront, Verhaftung und Verbannung auf die Insel Ikaria; komponiert eine Reihe von Kammermusikwerken (Präludien, Sextett, Trio etc.)

1949 – Deportation auf die KZ-Insel Makronisos, furchtbare Folterungen

1950 – erster Aufenthalt auf Kreta, Abschlussexamen am Athener Konservatorium

1952 – Arbeit als Musikkritiker; Komposition von Balletten und Hörspielmusiken; Fertigstellung der „1. Sinfonie“

1953 – Heirat mit Myrto Altinoglou; erste Filmmusiken

1954 – Umzug nach Frankreich; Zusatzstudium in der Kompositionsklasse von Oliver Messiaen und in der Dirigentenklasse von Eugene Bigot am Pariser Konservatorium; Wiederbegegnung mit Jannis Xenakis, mit dem er seit Mitte der vierziger Jahre befreundet ist

1957 – Erster Preis für seine „Suite Nr. 1“ beim Kompositionswettbewerb in Moskau (Vorsitzende der Jury: Dmitri Schostakowitsch und Hanns Eisler); bei Messiaen Abschlussarbeit über das „Agon“-Ballett von Strawinsky (Tetrachord-Theorie)

1958 – Riesenerfolg mit den Ballettmusiken von „Le Feu aux Poudres“ und „Les Amants de Teruel“ für das Sarah Bernard Theater in Paris, mit Ludmilla Tscherina in der Hauptrolle (der Musikkritiker von Le Monde feierte Theodorakis als „neuen Strawinsky“); die Filmmusik zu „Honeymoon“ von Michael Powell wird ein durchschlagender Erfolg, der Titelsong zum internationalen Hit; Beendigung der Komposition „Klavierkonzert“; schreibt den „Epitaphios“-Zyklus; Geburt seiner Tochter Margarita

1959 – internationaler Durchbruch mit der Komposition des „Antigone“-Balletts für das Covent Garden in London (Choreographie: John Cranko)

1960 – Geburts seines Sohnes George; Rückkehr nach Griechenland und Veröffentlichung der ersten Liederzyklen auf Schallplatte; wird bis 1967 zum erfolgreichsten griechischen Komponisten (sowohl hinsichtlich des Schallplattenverkaufs als auch des Live-Konzertbetriebs); Beginn der Zusammenarbeit mit den bedeutendsten griechischen Lyrikern und Vertonung ihrer Gedichte (Ritsos, Seferis, Elytis, Anagnostakis, Livaditis u.a.)

1962 – Gründung des Kleinen Athener Orchesters, mit dem er sinfonische Werke der vorklassischen Periode aufführt – der erste Versuch, das breite griechische Publikum mit der Sinfonik bekanntzumachen; Zusammenarbeit mit Edith Piaf; Filmmusik für „Phädra“ von Jules Dassin, mit Melina Merkouri und Anthony Perkins in den Hauptrollen

1963 – Gründung der Lambrakis-Jugendbewegung, deren Vorsitzender er wird

1964 – Theodorakis wird Parlamentsabgeordneter; komponiert die Musik zum „Zorbas“-Film; Uraufführung des Oratoriums „Axion Esti“

1965 – Verleihung des Sibelius-Preises für sein Gesamtschaffen von einer Jury, bestehend aus Pablo Casals, Zoltan Kodaly und Darius Milhaud; erste Plattenveröffentlichung mit Maria Farantouri („Mauthausen“)

1966 – Gründung des Piräus Sinfonieorchesters, mit dem er einem breiten Publikum Werke der klassischen und nachklassischen Periode vorstellt

1967 – Putsch am 21.4.; im Untergrund bis zu seiner Gefangennahme am 21.8.; anschließend diverse Gefängnisaufenthalte, Hausarrest und Verbannung bis 1970; zwischen 1967 und 1974 Verbot seiner Musik in Griechenland

1968 – studiert während der Verbannung mit Hilfe eines Priesters zum ersten Mal die byzantinische Musik und deren Symbolschrift; entwickelt in einer Reihe von Aufsätzen seine Theorie der „Metasinfonik“ und des „Lied-Flusses“

1970 – nach internationalen Protesten (u.a. von Arthur Miller, Strawinsky, Boulez, Schostakowitsch, Dessau, Henze, Belafonte, Bernstein, Edward Albee, Doris Lessing) Abschiebung nach Paris; weltweit Konzerte und Auftritte gegen die Junta bis zu deren Sturz 1974

1973 – Komposition von Filmmusiken für Hollywood; das Oratorium „Canto General“ entsteht

1974 – Sturz der Junta; Rückkehr nach Athen; schreibt bis Ende der siebziger Jahre verstärkt Musik für Theaterstücke

1978 – erringt 16% der Stimmen als unabhängiger Athener Bürgermeister-Kandidat für die Liste der Kommunistischen Partei

1980 – Beginn eines erneuten mehrjährigen Aufenthalts in Paris; Rückbesinnung auf die Sinfonik

1981 – Abschluss der Arbeit an der 2. und 3. Sinfonie und des integralen „Canto General“

1984 – systematische Beschäftigung mit den musikalischen „Straßen“ der kleinasiatischen Musik

1985 – Abschluss der Arbeit an der Oper „Die Metamorphosen des Dionysos“

1986 – erneute Distanzierung von der Kommunistischen Partei

1987 – Gründung der Griechisch-Türkischen Freundschaftsgesellschaft

1988 – Premiere des „Zorbas“-Balletts in der Arena di Verona

1989 – Initiative zur Bildung der ersten rot-schwarzen Regierung Griechenlands (von Kommunisten und Konservativen)

1990 – Staatsminister in der konservativen Regierung von Konstantinos Mitsotakis; dirigiert für Amnesty International in ganz Europa über 30 Konzerte mit „metasinfonischen“ Werken

1991 – Breitkopf & Härtel wird zum Verleger seiner wichtigsten sinfonischen Werke (Sinfonien 1, 2, 3 und 7, Klavierkonzert etc.)

1992 – Demission aus der Regierung; Uraufführung der Oper „Medea“ in Bilbao; aus Anlass der Olympischen Spiele wird in Barcelona der „Canto Olympico“ uraufgeführt

1993 – Generalmusikdirektor des Staatlichen Rundfunksinfonieorchesters und des Rundfunkchors

1994 – Rücktritt als Generalmusikdirektor; große USA- und Kanada-Tournee mit sinfonischen Werken

1995 – erneuter zweijähriger Umzug nach Paris; Beginn der CD-Aufnahmen seiner sinfonischen Werke und Opern („Die Metamorphosen des Dionysos“, „Medea“, „Elektra“, „Antigone“) in Deutschland und Russland

1997 – wegen gesundheitlicher Probleme Abbruch der gemeinsamen Europatournee mit Zülfü Livaneli, gewidmet der griechisch-türkischen Freundschaft

1999 – Aufnahme der Oper „Die Metamorphosen des Dionysos“ in Berlin; Premiere der „Antigone“-Oper in Athen

2000 – USA-Premiere der „Elektra“-Oper in der Carneggie Hall von New York; Veröffentlichung seiner Operntrilogie bei Intuition Music

2002 – Premiere der „Lysistrata“-Oper in Athen

2003 – Schott Music International übernimmt den Weltvertrieb seines Gesamtwerks

2005 – Verleihung des UNESCO-Musikpreises für sein Lebenswerk; Veröffentlichung der CDs „Resistance“ und „First Songs“ bei Intuition Music

2008 – Schott Music International wird zusammen mit Romanos Productions zum Generalverleger seines Gesamtwerks, außer den Sinfonien Nr.1,2,3 und 7, dem Klavierkonzert und einigen Kammermusikwerken, die weiterhin bei Breitkopf & Haertel verlegt werden

A.K.

 

 

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